Telearbeit, Home Office und jede Menge Geduld: Wie sieht die Zukunft der Arbeit aus?

Telearbeit, Home Office und jede Menge Geduld

Während der Internetwoche Köln im letzten November war ich bei der Veranstaltung „Digitale Arbeitswelt – Immer erreichbar und doch freier?“ Zu Gast waren wir in der Microsoft-Niederlassung in Köln. Nach der Podiumsdiskussion bekamen wir noch einen Rundgang durch die Büros. Da dachte ich: So will ich auch arbeiten! Ist das die Zukunft der Arbeit?

Home Office und mobiles Arbeiten als Option für alle. Freie Arbeitsplatzwahl, wenn man doch mal ins Büro kommt. Man kommuniziert via Instant Messenger oder Videochat. Es gibt Großraumbüros – und separate Räume für Telefonate und Besprechungen. Und die technische Ausstattung erlaubt, dass man überall arbeiten kann. Bei Microsoft klang das alles ganz einfach. Die Realität ist aber leider eine andere.

Gegenwart der Arbeit: Telearbeit? Nur ausnahmsweise.

Ich arbeite in einer Behörde. Das viel beschworene Home Office heißt bei uns weiter Telearbeit – und die gibt es nur für sehr wenige Mitarbeiter. Auch mobiles Arbeiten ist bisher nur sehr eingeschränkt möglich. Die Bundesbehörden nutzen nämlich den sogenannten Informationsverbund Berlin-Bonn (IVBB). Und der ist ein ziemlich geschlossenes System: Aus dem IVBB-Netz heraus kommt man auf viele Seiten (insbes. Social Networks, Blogs etc.) gar nicht. Und von außen rein darf man bisher nicht einmal per VPN, sondern nur mit extra eingerichteten Notebooks oder den in letzter Zeit häufiger erwähnten SiMKo-Geräten.

Viele Akteure im öffentlichen Bereich (und auch im kommerziellen Sektor) sehen die Entwicklung hin zu flexibleren Arbeitszeiten und mobiler Arbeit immer noch skeptisch. Vom Sicherheitsaspekt mal abgesehen, hat man die Mitarbeiter schließlich nicht mehr so gut im Blick und weiß nicht, ob sie auch wirklich arbeiten. (Böse Stimmen würden behaupten, dass es überall Kollegen gibt, die den ganzen Tag im Büro sitzen, ohne ansatzweise produktiv zu sein. Aber das ist ein anderes Thema. 😉 )

Schwierig wird das mit der Arbeitszeit leider auch, weil es in der Regel Dienstvorschriften gibt, die eine Rahmenarbeitszeit definieren. Arbeitet man außerhalb dieses Rahmens, braucht man oft eine Sondergenehmigung – und bekommt z. B. für Nachtschichten und Wochenendarbeit einen Zuschlag. Wie sollte man also damit umgehen, wenn jemand im Home Office arbeitet – und das eben lieber den ganzen Sonntag lang?

Dabei – und nicht nur das kann man dem Bund an dieser Stelle zugutehalten – hatte ich bisher nirgends so flexible Arbeitszeitregelungen. Nur muss ich dafür eben bisher im Büro sein. Da wird es schon spannend, wenn ich morgens auf dem Weg ins Büro Blogs lese, um die Neuigkeiten des Tages zu kennen. Das mache ich natürlich aus meinem persönlichen Interesse heraus. Gleichzeitig sind dies aber Dinge, die unmittelbar auch auf meine Arbeit einzahlen. Wann ist das also Arbeitszeit und wann nicht?

Dass die Nachfrage nach flexibler Arbeitszeit und mobilem Arbeiten immer größer wird, ist zwar vielen inzwischen klar. Aber Veränderungen brauchen bekanntlich ihre Zeit – in großen Unternehmen ebenso wie im öffentlichen Sektor.

Zukunft der Arbeit: Mehr Selbstbestimmung dank Technik

Ich glaube, der Kern des mobilen Arbeitens ist, Freiheit zurückzugewinnen, indem wir selbstbestimmter über unsere Zeit verfügen können. Auch im Behördenkontext sehe ich dabei durchaus einige Möglichkeiten, die das mobile Arbeiten ermöglichen und generell das Arbeiten erleichtern würden.

Das geht damit los, dass ich mir eine interne Cloud-Lösung wünsche, damit Daten nicht doppelt und dreifach abgespeichert werden und auch für mich in der aktuellsten Version verfügbar sind, wenn der Kollege, der zuletzt daran gearbeitet hat, gerade im Urlaub ist. Besonders erfreulich wäre so eine Lösung vor allem dann, wenn ich sie auch von unterwegs nutzen könnte.

So funktionieren bei uns bisher auch noch viele Prozesse rein analog. Dabei ließe sich z. B. die Abzeichnung von Vermerken und Erlassen genauso gut in digitaler Form erledigen, wie das bei Urlaubs- und Dienstreiseanträgen ja bereits geht. Das würde nicht nur Papier (und vermutlich Zeit) sparen, sondern vor allem auch transparenter machen, wer den Vorgang gerade entgegen genommen hat. Denn bislang ist es so, dass Formulare und Dokumente als einfacher Ausdruck in Umlaufmappen durch verschiedene Abteilungen zirkulieren. Wo eine solche Mappe gerade bearbeitet wird, ist dabei eben nicht für alle anderen Beteiligten klar ersichtlich.

Je digitaler die Prozesse letztendlich sind, umso leichter wird auch das mobile Arbeiten werden. Dabei ist das natürlich ein Luxusproblem der Wissensgesellschaft. Nur wer primär digital arbeitet, kann auch mobil arbeiten. Eine Kassiererin im Supermarkt, der Schaffner im Zug oder die Kneipenbesitzerin um die Ecke – für sie ist mobiles Arbeiten gar keine Option. Für sie bedeutet die technische Entwicklung allerhöchstens, dass vielleicht auch ihr Job in Zukunft von Maschinen übernommen werden könnte.

Wie ich in Zukunft arbeiten möchte

Irgendwann einmal (vielleicht in zehn Jahren?) möchte ich auch nicht mehr jeden Tag in ein Büro fahren. Wenn ich mir meinen Arbeitsplatz aussuchen und meine Zeit frei einteilen könnte, sähe das vermutlich so aus: Erstens würde ich nur noch Teilzeit arbeiten (klar, vorausgesetzt wir können uns das finanziell leisten), so dass ich mehr Zeit für Familie und Hobbys habe und mich auch um private Projekte kümmern kann.

Zweitens würde ich mir auch für meinen Arbeitsplatz eine Aufteilung wünschen: Ich arbeite gerne mit anderen und möchte definitiv auch in Zukunft nicht ausschließlich im Home Office arbeiten, aber für manche Aufgaben drängt es sich sogar auf. Denn manchmal braucht man eben auch seine Ruhe – ohne E-Mail, Telefon oder Kollegen, die mal eben in der Tür stehen. In solchen Fällen hätte ich gerne die Möglichkeit, mich irgendwohin zurückzuziehen – sei es eben ins Home Office, in irgendein Café oder im Sommer in den Park. Natürlich möchte ich dort gerne nahtlos weiterarbeiten können – ohne seitenweise Ausgedrucktes mit mir herumzuschleppen oder alles erst per Hand zu schreiben, um es dann später im Büro abzutippen.

Von den Möglichkeiten, die sich durch Cloud-Lösungen und mobile Technologien ergeben, bin ich in meinem jetzigen Job doch noch ein wenig entfernt, aber ich finde es mehr als spannend, in dieser Zeit des Wandels die ein oder andere Veränderung selbst mit anstoßen zu können.  🙂

P.S. Durch Stefan bin ich auf die gerade auslaufende Blogparade “Arbeitsplatz der Zukunft” gestoßen und hoffe, dass dieser Beitrag es auch noch über die Ziellinie schafft und an der Blogparade zur Zukunft der Arbeit teilnehmen kann. Und jetzt lese ich die anderen Beiträge – für weitere Inspiration.  😉

Photo Credit: unloveablesteve via photopin cc

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