Hashtag Kultur – ein wichtiger Anfang

Hashtag Kultur – ein wichtiger Anfang

Ich habe heute Radio gehört. Zum ersten Mal in diesem Jahr. Wir waren nämlich zu Gast bei WDR3 – als Zuhörer fürs WDR3Forum zum Thema Hashtag Kultur.

Auf der Bühne diskutierte Moderator Uwe Schulz mit Wolfram Kähler (stellvertretender Programmbereichsleiter von WDR 3), Roland Nachtigäller (künstlerischer Direktor des Herforder Museums MARTa), Christoph Müller-Girod (strategischer Berater und Social Media Manager) und Dirk von Gehlen (Leiter Social Media/Innovation bei der SZ) über die Rolle von Social Media für den Kulturbetrieb.

Im Publikum diskutierten etwa 100 Blogger und Twitterer aus der Region mit. Und via Twitter dann auch der Rest Deutschlands. (Zumindest der Rest, der Twitter nutzt. 😉 )

Das kurze Fazit vorweg: Ich finde, wir sollten sowas viel öfter machen. Und das sage ich jetzt nicht nur, weil WDR3 uns ganz vorzüglich versorgt hat. Vielen Dank dafür! 😉

Ich sage das auch, weil das Thema Hashtag Kultur interessant gewählt war, sich die Runde der Diskutanten sehr gut ergänzt hat und ein Blick über den eigenen Tellerrand hinaus immer lohnt.

Und außerdem war die Veranstaltung aus Sicht der WDR3-Social-Media-Strategie recht clever: Nachdem man Anfang des Jahres leise gestartet ist und die ersten Gehversuche gemacht hat, lädt man nun – mit einer thematisch klug gewählten Veranstaltung – Menschen ein, über die man weitere Menschen erreichen kann: die gut Vernetzten, die Kulturblogger, die Instawalker, die Theatertwitterer. Das hat der WDR gut erkannt, finde ich.

Allerdings: Wir schreiben das Jahr 2014. Und da kommt mein Problem mit dieser und ähnlichen Diskussionsrunden:

Hashtag Kultur: Drehen wir uns im Kreis?

Die Debatte in Deutschland ist (immer noch!) geprägt von der Angst vor dem „Kontrollverlust“. Intern stehen Social-Media-Manager vor Strukturen und Prozessen, deren Herz einmal schlägt, während der Puls des Social Webs schon drei Saltos gemacht hat. Und – schlimmer noch! – sie stehen vor Hierarchien Menschen, die an diesen Strukturen und Prozessen festhalten.

Und dann sind da im Zweifelsfall Urheberrecht und Datenschutz – das ultimative Zweiergespann, das jede Initiative in Grund und Boden stampft und in ihre rechtlichen Schranken weist. Deutschland – digitales Entwicklungsland, wie Clemens Schuster immer so schön sagt.

Dabei geht es nicht darum, dass wir jetzt alle Facebook nutzen oder live twittern. Wir brauchen vielmehr Prozesse und Strukturen, die flexibel genug sind, mit der Geschwindigkeit des Wandels mitzuhalten. Und eine Kultur, die Kritik und Scheitern zulässt, um daraus zu lernen und besser zu werden. Und nicht zuletzt eine Rechtssprechung, die Handlungssicherheit schafft, anstatt sie zu nehmen. All das haben wir in Deutschland in weiten Teilen immer noch nicht … und das obwohl wir doch schon so lange darüber reden. Oder ist das am Ende eine Frage der Mentalität mancher Menschen und wir können gar nicht anders?

Immerhin: Das WDR3Forum hatte heute Abend definitiv einige Hörer, die ohne Twitter nicht eingeschaltet hätten. Den Dialog mit der vermutlich kritischsten Zielgruppe im Social Web haben sie – wie ich finde: erfolgreich – begonnen. Und WDR3-Programmchef Karl Karst hat sogar angefangen zu twittern. Für uns Netzmenschen sind das vielleicht kleine Schritte, aber wir können uns vermutlich alle nicht vorstellen, wie groß dieser Schritt für den WDR war.

Danke an @PottblogLive für das Foto:

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