Digitale Beziehung

Es gibt keine digitale Beziehung.

Michaela hat Stefan und mir eine Frage zugeworfen: Digitale Beziehung – geht das?

„Natürlich!“ – war meine erste Reaktion. Aber je mehr ich darüber nachgedacht habe, umso weniger sicher war ich mir. Denn was heißt das eigentlich: „Digitale Beziehung“?

Ich glaube, dass keine Beziehung – egal, ob beruflich, platonisch oder verliebt – rein digital sein kann. Denn am Ende sind wir immer Menschen, die miteinander kommunizieren. Und selbst wenn dies ausschließlich digital stattfindet und selbst wenn wir uns online anders darstellen als wir offline sind, handeln und kommunizieren wir immer noch als Menschen – mit Wünschen, mit Ängsten, mit der ganzen bunten Palette an Gefühlen.

Digital ist für mich auch gar kein Gegensatz zum „Real Life“, sondern eine zusätzliche Ebene. Das war im Netz 1.0 noch etwas anders, aber mit Social Networks und mobilen Geräten ist diese Ebene, dieses Netz eben immer verfügbar – genauso wie die Menschen, die es nutzen. So hat mich das Internet auch manchen Menschen, die eher lose Bekannte waren, mit der Zeit näher gebracht. Weil sie mich an ihrem Leben teilhaben lassen und ich sie an meinem – und wir auf einmal feststellen, dass wir mehr gemeinsam haben, als wir immer dachten.

Und da liegt für mich der Kern der Sache: Das Digitale erleichtert uns Beziehungen. Es reduziert die Entfernung. Und das jederzeit und überall. So bringt es uns näher zusammen – wenn wir es denn wollen und zulassen. (Genauso gut kann man sich, denke ich, auch hinter einer online geschaffenen Figur verstecken, um sich seinen wahren Ängsten und Gefühlen nicht stellen zu müssen, aber das ist ein Thema für ein anderes Mal.)

Ich möchte es nicht missen, mit dem Smartphone in der Hand jederzeit mit anderen reden zu können – ganz öffentlich auf Facebook und Twitter, mit aller Welt. Oder eher privat, per DM oder Chat, mit den Menschen, die mir wichtig sind. Und ich möchte nicht missen, schnell mal ein Foto zu verschicken – oder vor allem: zu bekommen. Oder sich per Skype oder FaceTime zu sehen, anstatt nur zu telefonieren. Und das eben auch mal unterwegs. Einfach weil uns danach ist. Weil wir es dank digitaler Technologie können.

Aber die Beziehung ist deshalb für mich eben keine digitale Beziehung. Im Gegenteil: Sie ist ganz real und unmittelbar – auch bei großer Entfernung. Zum Beispiel zwischen Köln und der Schweiz. Sonst hätten wir das mit der Fernbeziehung wohl kaum so lange durchgehalten. 😉

PS (13. Dezember 2013): Daniel hat mich auf die Parship-Blogparade über Liebe im digitalen Zeitalter aufmerksam gemacht. Und weil’s thematisch so gut passt, sei an dieser Stelle noch darauf hingewiesen. 🙂

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2 thoughts on “Es gibt keine digitale Beziehung.

  1. Feiner Text. Guter Gedanke. Aber ich denke schon, dass es digitale Beziehungen gibt. Eben ganz genau die Art von Beziehung, die mein digitales Ich mit einem anderen digitalen Ich habe.
    Wir zwei (also du, Katja und ich, Silke) haben uns zwar mal kurz gesehen im Früh beim Ironbolgger-Treff. Ansonsten kenne ich dich als @Katjazwitschert und eben durch dein Blog. Deine HEIMAT-Blogparade gefiel mir. Ich kenne DICH nicht wirklich, ich kenne nur das, was du schreibst. Würden wir regelmäßig kommunizieren, dann hätten wir – für meine Begriffe – eine digitale Beziehung.

    1. Danke für Deinen Kommentar. 🙂

      Ich weiß, was Du meinst, aber selbst wenn wir uns nur über digitale Kanäle austauschten, sind wir doch beide immer noch Menschen, die miteinander kommunizieren, oder? „Digitale Beziehung“ legt ja auch irgendwie nahe, dass es sich dabei um etwas anderes handelt als eine „echte“ Beziehung. Und ich weiß, dass dem einfach nicht so ist. Es ist anders, aber dennoch ist es echt.

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