BarCamp statt Konferenz: Sessionplan beim fbcamp

Die Wundertütenkonferenz

Im Januar 2012 war ich auf meinem allerersten BarCamp. Ich war gerade frisch in die Schweiz gezogen und Steffi meinte, da böte es sich doch an, dass ich zum BarCamp nach München komme. Vom Format hatte ich bereits vorher gehört. Ich hatte mich aber lange davor gescheut, selbst an einem BarCamp teilzunehmen und bin eher zu klassischen Konferenzen und Seminaren gegangen. Die BarCamp-Regel, man müsse sich selbst aktiv einbringen und beim ersten Mal eine eigene Session halten, schreckte mich ab. So fand ich immer einen Grund, um nicht auf ein BarCamp zu gehen.

Anfang 2012 gingen mir die Ausreden aus. Und weil Steffi meinte, man müsse auch nicht zwangsläufig eine eigene Session halten, hatte ich auch nicht mehr ganz so viel “Bammel”.

Noch während des ersten BarCamps habe ich direkt ein Ticket für mein zweites BarCamp gebucht. Von da an war klar: BarCamp statt Konferenz, wann immer es geht. Die Gründe dafür habe ich bereits damals verbloggt: “Mein erstes (und mein zweites) Mal, oder: Liebe auf den ersten Blick”.

Dieser Beitrag passt perfekt zur Blogparade über mein erstes BarCamp. Aber einige Fragen, die Stefan aufwirft, habe ich darin noch nicht beantwortet. Deshalb hier die Antworten auf seine Fragen:

Mein erstes BarCamp – wo, wann und wie?

Das BarCamp München am 21. und 22. Januar 2012 war mein erstes BarCamp. Es hat mich komplett geflasht. Ich hatte vorher noch nie so viele Menschen auf einmal getroffen, die sich für die gleichen Themen interessierten wie ich, die die gleichen Fragen hatten und ebenso sehr an einem Austausch interessiert waren. Meine anfängliche Scheu, den Mund aufzumachen, habe ich schnell abgelegt. Weil ich auf einmal merkte, dass ich auch etwas zu sagen habe. Und meine Standpunkte gerne diskutieren wollte.

Das BarCamp war inspirierend. Obwohl die zwei Tage inkl. der An- und Abreise auch anstrengend waren, hatte ich danach neuen Elan, viele Ideen und noch mehr Freude an meiner Arbeit. Weil ich meine eigenen Ideen auf den Prüfstand stellen und viele neue Impulse mit nach Hause nehmen konnte. Auch ganz ohne eigene Session.

Inzwischen war ich auf 17 BarCamps (Liste unten). 4 weitere sind für dieses Jahr noch geplant. Ich bin also in kurzer Zeit vom BarCamp-Frischling zum BarCamp-Fan geworden. Und habe inzwischen auch keine Angst mehr vor eigenen Sessions. So habe ich durch die BarCamps auch meinen Mut gefunden, vor vielen Menschen überhaupt den Mund aufzumachen. Hat mich die Vorstellungsrunde am Anfang jedes Mal gestresst, bleibe ich dabei inzwischen ganz entspannt.

Sicher, dass ich auf meinem zweiten BarCamp den Mann kennenlernte, den ich inzwischen geheiratet habe, war vermutlich nicht ganz unschuldig daran, dass ich 2012 auf so viele BarCamps ging. Ich wäre ohne ihn sicher nicht durch die ganze Republik gereist. Aber doch ganz sicher auf weitere BarCamps gegangen.

Warum? Weil ich auf jedem BarCamp bisher mehr gelernt habe als auf einer Konferenz.

BarCamp statt Konferenz: Zwei Tage wie aus der Wundertüte

Das Tolle an BarCamps ist in meinen Augen, dass man nur selten weiß, was einen erwartet. Es gibt – selbst bei den Themencamps – kein festes Programm, keine Keynotes wie auf einer Konferenz. Stattdessen herrscht bisweilen kreatives Chaos und das BarCamp entsteht aus seinen Teilnehmern heraus. Sie machen es zu dem, was es ist. Mit ihren Ideen, ihrem Engagement, ihren Fragen und ihrer Erfahrung.

Anders als bei einer Konferenz, bei der die oben auf der Bühne denen unten im Publikum die Welt erklären wollen, gibt es auf einem BarCamp nur die “Kommunikation auf Augenhöhe”. Jeder kann seine Expertise einbringen. Und jeder kann von den anderen lernen. Es ist ein Geben und Nehmen von Wissen und Erfahrung, ein gleichberechtigter Austausch.

Darin liegt für mich die große Stärke des Formats. Es geht nur den allerwenigsten darum, sich selbst zu profilieren. Fast alle sind jedoch am Austausch interessiert. Weshalb niemand sein Wissen für sich behält oder damit angibt, sondern Ideen wirklich offen diskutiert und Erfahrungen bereitwillig geteilt werden. Ein BarCamp ist für mich damit so etwas wie die Erweiterung der Netzprinzipien (Dialog, Austausch, frei verfügbares Wissen etc.) in die reale Welt.

Hinzu kommt die ungeheure Themenvielfalt. Die Qual der Wahl zwischen spannenden Sessions überfordert mich zwar bisweilen immer noch, aber selbst, wenn einmal für eine Stunde keine reizvolle Session stattfindet, geht der Austausch dann halt einfach in kleiner Runde bei einem Kaffee weiter. Langweilig war mir auf einem BarCamp jedenfalls noch nie.

Eingeschränkt empfehlenswert

Dennoch glaube ich, dass ein BarCamp nicht für jeden etwas ist. Wer lieber berieselt werden möchte, wer keinen Wert darauf legt, sich selbst einzubringen, ist auf einem BarCamp unter Umständen überfordert. Ich glaube, ein BarCamp ist dafür zu chaotisch. (Für mich liegt in diesem Chaos ja auch viel schöpferische Kraft, aber man muss damit eben auch umgehen können und wollen.)

Als Format eignet es sich sicher auch für Unternehmen – wenn sich insbesondere die Führungsetage auf dieses Experiment einlässt. Dann kann ein BarCamp in meinen Augen ein hervorragendes Werkzeug für den internen Wissensaustausch sein. (Irgendwann will ich das auch einmal ausprobieren. 😉 )

Denn wer sich darauf einlässt und bereit ist, aus sich herauszugehen, kann bei einem BarCamp so viel lernen – vom Fachlichen bis hin zu wirklich nerdigem Angeberwissen. Und natürlich die vielen tollen Menschen, die man dort kennenlernt. Julia hat ein BarCamp einmal sehr treffend mit dem Hogwarts der Netzkinder verglichen: Hier treffen wir uns mit unserer Netzfamilie und lernen von einander. Hier sind wir nicht mehr ein Nerd unter Netzmuggeln, sondern ein Nerd unter vielen.

Deshalb gilt für mich immer noch, was ich schon vor anderthalb Jahren über mein erstes BarCamp geschrieben haben:

Wir sehen uns also …

… auf den nächsten BarCamps.

Und jetzt Ihr: Die Blogparade läuft noch bis zum 13. Oktober 2013. Wie Ihr teilnehmen könnt, steht hier.

Und zu guter letzt: meine BarCamp-Liste

2012

2013

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