Heimat-Blogparade / Blogparade Heimat

Blogparade: Was ist Eure Heimat?

Ich komme aus der Prignitz – in etwa daher, wo die Havel in die Elbe fließt und wo jüngst versenkte Kähne einen gebrochenen Damm stopften. Ich schaffe es aber nur noch selten dorthin. Deshalb war es besonders schön, dass wir unsere erste Urlaubsetappe in diesem Sommer dort verbringen konnten. Wir haben eine Woche lang die Brandenburger Sonne genossen und die Gegend erkundet.

Ich fühle mich inzwischen auch in Köln sehr zuhause, doch eines wurde mir jetzt wieder klar: Meine Heimat ist nach wie vor die Prignitz.

So entstand die Idee zu einer Blogparade über die Heimat: Was ist Eure Heimat?
Wo und warum? Ist Heimat für Euch etwas anderes als Euer Zuhause? Vielleicht ist es ja auch kein Ort oder keine Region, sondern etwas ganz anderes?

Mehr über meine Heimat erzähle ich hier im Blog, wenn unser Urlaub vorbei ist. Doch dies ist schon einmal der Startschuss zur Blogparade Heimat. Die Blogparade läuft bis zum 25. August 2013, also drei Wochen. 8. September 2013, also fünf Wochen.

Macht Ihr mit? Dann verlinkt auf diesen Beitrag und hinterlasst einen Kommentar mit Link zu Eurem Blogpost, gebt mir ein kurzes Twitter-Zeichen (@katjazwitschert) oder schickt eine E-Mail an katja.wenk@gmx.net. Am Ende werde ich dann alle Beiträge in einer Übersicht zusammenfassen.

Ich bin schon sehr gespannt auf Eure Beiträge – und auf Eure Heimat. 🙂

Update 1: Die ersten Beiträge sind eingetrudelt. Diese und alle weiteren Beiträge zur Blogparade findet Ihr in der gleich folgenden Liste, die natürlich fortlaufend aktualisiert wird. 🙂

Update 2: Aufgrund der Nachfrage verlängere ich die Blogparade bis zum 8. September 2013.

  1. Daniel Rehn: Heimat? Was ist das schon? – Mein Beitrag zur Blogparade von Katja Wenk
  2. Michael Bauer: Was weiß ich, was Heimat ist?
  3. Christian de Vries: Heimat
  4. Ilse Mohr: Heimatpunkte statt Heimat
  5. Arnold Melm: Heimat in Digitalien?
  6. Stilquadrat: WTF ist Heimat?
  7. Enrico Gräfe: Rudolstadt, meine Heimat und Schillers heimliche Geliebte
  8. Frank Krings: Heimat? Mein Beitrag zur Blogparade von Katja Wenk
  9. Thomas Boley: Kein Stück Heimat nirgendwo
  10. Michaela Best: Heimat*
  11. Olaf Senkpiel: Heimat ist da wo ich her komm’
  12. Der Bausparfuchs: Heimat ist … selbst gemachte Marmelade
  13. Anna-Sofie Gerth: HBTC ist Heimat
  14. Sockenbergen: Was ist Heimat?
  15. Susanne Peyronnet: Heimat: Mehr als eine Adresse
  16. Benjamin Doubali: Heimat. Eine Szenensammlung.
  17. Hauke Eilers: Was bedeutet eigentlich Heimat?
  18. Christian Dingler: Heimat braucht Wurzeln
  19. Romy Mlinzk: Heimat? Habe ich nicht.
  20. Rouven Kasten: Heimat – Ode an die Grau/Grüne Stadt
  21. Kopfweide: Heimat – wo immer du bist
  22. Udo Weisner: Friedrichshafen am Bodensee*
  23. Britta Beumers: Heimat geht durch den Magen
  24. Stefan Klix: Die Sächsische Schweiz, meine Heimat – Beitrag zur Blogparade von Katja Wenk
  25. Thomas Renger: Heimat?
  26. elektro:elch: Blogparade: Was ist Eure Heimat?
  27. Timo Stoppacher: Die digitale Heimat
  28. Anika Bube: [Blogparade] Heimat ist …
  29. Ute Hauth: Heimat – der See
  30. Judyta Smykowski: Hamburghafenheimat
  31. Mareike Boßelmann: Blogparade: Heimat
  32. Johannes Korten: Heimat. Auch so ein Wort.
  33. Hans Linnartz: Keine Frage, Köln ist meine Heimat!
  34. Gesa Füßle: Heimat – ein großes Wort
  35. Silke Johann: Heimat*
  36. Ramona Häßler: Blogparade – Heimat
  37. Sascha Hüsing: Eine Hommage an meine Heimat – Das Siebengebirge bei Bonn
  38. David Philippe: Blogparade: Was ist meine Heimat?
  39. Kulturtante Wendland: Heimat? Ertappt.
  40. Steffen Schindler: Heimat ist wo ich bin …
  41. Inka Chall: Zuhause ist Deutschland
  42. Sabine Sternberg: Heimat ist …?
  43. heimatfoto: „Mein“ Dorf und ich: Ein paar klitzekleine Gedanken zu früher
  44. Karin Krubeck: Heimat ist ein Gefühl
  45. Annette Schwindt: Heimat ist, wo das Herz ist
  46. Sandra Dismar: Meine Heimat
  47. Christine Heller: Heimat ist nicht nur ein Ort, Heimat ist ein Gefühl
  48. Christoph Strissel: Heimat ist mehr als nur ein Ort
  49. Alexander Schestag: Heimatlos?
  50. Jörg Rupp: Heimat*
  51. Kerstin Zarbock: Was ist Heimat?
  52. Stefan Herber: Von Springfield über Mainhattan bis nach Hause
  53. Alexander Schestag: Heimat 2.0
  54. Stefanie Claus: Heimaturlaub oder: Was ist Heimat?
  55. Traumweltenbummler: Heimat – Es kann nicht nur eine geben!
  56. Katja Wenk: Erdbeersommer und Herbstnebel
  57. Duduismus: Geh.Doch.Heim.
  58. Maik Meid: Blogparade: Heimat!
  59. Wibke Ladwig: Und ewig singen die Wälder: Heimat!
  60. Bernadette Bisculm: Meine Heimat ist ein Land. Oder doch ein Gefühl?
  61. Stefan Geyer: Heimat – was ist das?
  62. Christian Kaufmann: Meine alte Heimat: Oberhausen
  63. Florian Franke: Was bedeutet Heimat für mich
  64. Klaus Georg Niedermaier: Heimat? Warum nur eine?
  65. Sebastian Hartmann: Heimat tief im Westen | Blogparade: Was ist Eure Heimat?
  66. Philipp Hüwe: Heimat ist, wo mein Ladekabel ist
  67. Friederike Kroitzsch: Heimat. Ein Geruch.
  68. Anna-Lena Wingerter: Blogparade: Wo ist meine Heimat?
  69. Wiebke Pahl: Mein Berlin
  70. Daniela Große: Gibt es denn keinen Platz für mich in dieser Welt?
  71. Melanie Richter: Was bedeutet Heimat für mich?
  72. Eva Külkens: „Wie konnten Sie nur Ihre Heimat verlassen?“ (in den Kommentaren zu diesem Blogpost)
  73. Caroline Kliemt: Heimat – man sieht (sie) nur mit dem Herzen gut
  74. Frank Koebsch: Bilder meiner Heimat
  75. Dennis Zaloff: Russland – Land der Gegensätze. Blogparade
  76. Felix Kurtze: Heimat: Sags mit Metallica, Elvis, Lynyrd Skynyrd, John Denver
  77. Alexandra klöckner: Heimat wechsle dich
  78. Judith Torma: Heimat – wichtig für gute Redner.
  79. Susanne Döring: Heimat?
  80. Stefanie Leo: Heimat? – #thisissolingen
  81. Raimund Verspohl: Eine Blogparade durch die Heimat.
  82. Sabine Feldner: Pirmasens – oder was ist Heimat
  83. Daniela Warndorf: Sülz oder: Toast Hawaii bei Frau G.*
  84. Benedikt Schäfer: Go East: Mein Weg In Die Neue Heimat Sachsen
  85. Claudia Taubenrauch: Heimat.
  86. Carmen Hillebrand: Heimat? Von quadratischen Köpfen, Currywurst und anständigem Bier
  87. Bludesert: Heimat
  88. Lars Hahn: Karriere und Heimat – Mobilsein oder Bleiben
  89. Michael Rajiv Shah: Erst das 3. Land brachte Heimat, Kind & einen selbsterfundenen Beruf (Österreich)
  90. Jochen Reinhardt: Heimat: Ein Fisch auf dem Fahrrad
  91. Franziska Wenk: Heimat ist …
  92. Julia Neumann: There’s no place like home.
  93. Jens Matheuszik: Was ist Heimat? (Blogparade)
  94. Stefan Evertz: Meine Blase ist meine Heimat ist mein Zuhause
  95. Anke Willsch: Kindheit ist Heimat
  96. bikelovin: Heimat – das klingt irgendwie kitschig …
  97. davednb: Heimat
  98. princess_cgn: Meine Heimat – oder mein Zuhause?
  99. Cornelia Diedrichs: Was ist meine Heimat?

* Schon vor dieser Blogparade entstanden, aber trotzdem passend.

Und außer Konkurrenz die aufgeFrischten Fragen von Anita Meier.

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87 thoughts on “Blogparade: Was ist Eure Heimat?

  1. Tolles Blogparaden-Thema!

    Ich produziere seit gut einem halben Jahr einen ganz ähnlich gelagerten Podcast: “Homestorys – Hören, wo andere zu Hause sind” (www.homestorys.de). Ich habe den Bogen absichtlich etwas weiter gespannt, um mehr potenzielle Gastgeber für die Homestorys zu gewinnen, aber die Frage nach Heimat, Heimatgefühlen und dem Zuhause ist für den Podcast ebenso zentral.

    Vielleicht hat die eine oder der andere der Blogparaden-Teilnehmer ja Lust, Gastgeber für eine Homestory zu sein? Das wäre toll! Bei den Texten, hinter denen ich noch mehr Geschichten vermute, werde ich mich aber ohnehin selbst – nach Rücksprache mit Katja – bei der Verfassern melden.

    Viele Grüße
    Stefan

  2. Heimat, das ist für mich der Mittelpunkt einer Welt, meiner Welt. Ein ideeller Platz mit Geborgenheit, Sicherheit und begreifbaren Grenzen, die mich im Leben beheimaten.
    Meine Heimat, das ist wohl eher ein Gefühl, kein Punkt auf einer Landkarte:
    http://fundwerke.de/2012/12/14/heimat/

    Mein Post ist zwar schon ein halbes Jahr alt – beschäftigt sich aber genau mit dieser Frage.

    Liebe Grüße
    Silke

  3. Heimat? Hab ich nicht. Oder doch?

    Tja, was soll ich sagen. Geboren in Freiburg, aufgewachsen in Stuttgart, Großeltern auf der schwäbischen Alb, mit zehn Jahren umgezogen in den Nordschwarzwald, mit 15 in den Kraichgau, mit 17 nach Blaubeuren bei Ulm, mit 19 nach München, zum Studium nach Mainz, 2004 nach Frankfurt, 2010 nach Regensburg und 2012 wieder ins Rhein-Main-Gebiet gezogen.

    Wenn Heimat dort ist, wo man gemeinsam mit den Eltern seine ganze Kindheit und Jugend verbracht hat, dann hab ich keine.”Elternhaus” gab es drei verschiedene (siehe oben). Nach meinem Auszug sind auch meine Eltern erneut umgezogen.

    Wenn Heimat dort ist, wo man zum Stadtfest oder zum Weihnachtsgottesdienst alte Bekannte und Mitschüler trifft, dann hab ich keine.

    Wenn Heimat dort ist, wo einen die Leute auch heute noch auf der Straße erkennen, wenn man zurückkehrt, dann hab ich keine.

    Wenn Heimat die Region ist, in der viele Verwandte leben, dann hab ich keine.

    Wenn Heimat dort ist, wo jedes Haus, jeder Baum und jeder Geruch mit einer Geschichte oder Erinnerung verbunden ist, dann hab ich keine.

    Oder doch?

    Es gibt da ein kleines Familiendomizil. Ein Ort im Süden, im Ausland. Einen Ort, an dem schon meine Großeltern eine Ferienwohnung besaßen. Ein Ort, den ich schon im Bauch meiner Mutter erstmals besucht habe. Ein Ort, an dem ich viele viele Urlaube verbracht habe. Ein Ort, an dem ich auch heute noch Kraft und Ruhe finde. Ein Ort, an dem ich mich auch heute noch mit Verwandten treffe. Ein Ort, den mittlerweile auch meine eigene Familie liebt. Ein Ort, an dem sich all die Jahre nicht viel verändert hat.

    Kann ein Urlaubsort Heimat sein?

    Dann habe ich vielleicht doch eine Heimat!

    Axel

    PS: Super-Thema, das mich tagelang beschäftigt hat. Passt leider thematisch nicht in meinen eigenen Blog, deshalb mein Beitrag hier als Kommentar.

  4. Wunderbare Blogparade, liebe Katja. Ich bin so dankbar für eine Blogparade, in der es nicht um Social Media, Tools oder andere Arbeitsdinge geht ;-).

    Gar nicht so einfach, dieses Thema. Und daher so faszinierend. Jetzt, nachdem ich auch meinen Beitrag fertig habe, kann ich auch endlich all die anderen lesen. Das habe ich mir nämlich bisher verkniffen, weil mein Kopf voller eigener Gedanken war.

    http://sinnundverstand.tumblr.com/post/58775258014/und-ewig-singen-die-waelder-heimat

  5. Liebe Katja,

    Heimat ist für mich untrennbar mit der Sehnsucht nach einem zu Hause in dieser Welt verbunden. Hier ist meine Antwort auf Deine Frage.

    Herzliche Grüße,
    Daniela

  6. „Wie konnten Sie nur Ihre Heimat verlassen?“

    Als ich im Internet den Blogparaden-Aufruf von Katja Wenk fand: „Was ist Eure Heimat?“, wusste ich: Jetzt ist er endlich da, der richtige Zeitpunkt, die Frage zu beantworten, die man mir seit sechs Jahren regelmäßig stellt (siehe Überschrift). Ich werde dieses Jahr siebzig und habe vor etwa sechs Jahren das Rheinland verlassen, wo ich geboren wurde und die meiste Zeit meines Lebens gelebt habe, und bin nach Niedersachsen gezogen, genauer: Oldenburg, wo ich seitdem lebe, allein und im Ruhestand, mit einer kleinen Rente, ohne Auto und mit einem sehr übersichtlichen Bekanntenkreis. Die obige Frage sowie die Antwort darauf haben mit „Heimat“ zu tun, und deshalb soll dieser Text mein Beitrag zur Blogparade sein.

    Ich bin in Bonn geboren, in Beuel auf der „schääl Sick“ aufgewachsen und kurz nach der Konfirmation mit meiner Familie in ein Dorf im Bergischen Land verzogen. Vielleicht weil ich keine glückliche Kindheit hatte, ist Beuel bei mir zwar mit reichlich Erinnerungen, aber nicht mit Heimatgefühlen verbunden. In dem bergischen 800-Seelen-Dorf lebte ich nur fünf Jahre – auch hier viele Erinnerungen, aber keine Heimat. Dann ging es für weitere fünf Jahre zum Studium nach Bonn: einige „Zuhause“ in wechselnden Zimmern und Wohnungen, zum Schluss nicht mehr allein, sondern mit ebenfalls studierendem Ehemann. Später weitete sich die Welt: Wir gingen für knapp drei Jahre als Geologen zur Landesaufnahme nach Afghanistan. „Zuhause“ war Kabul, die Universität und die deutsche Kolonie. „Heimat“ wurde dies Land nicht für mich, es blieb die Fremde, der Gegensatz zum Gewohnten, Vertrauten, aber ich habe Menschen kennengelernt, die einen weitreichenden Einfluss auf mein Leben hatten, was ich erst viel später erkannte. Zurück in Deutschland und auf dem Weg zur beruflichen Karriere wurde ich schwanger. Die kleine Familie landete in einer kleinen Stadt am Niederrhein, vergrößerte sich, das gemietete Haus wurde nach Ansicht des Familienvaters zu eng – wir zogen in den größeren und teureren Neubau. Wenigstens einer glaubte sein Lebensziel, „das Glück im Eigenheim“, erreicht zu haben. Aber mir war klar: Wir nahmen uns selbst ja mit! Nun, das Glück ließ sich nicht in ein Haus einsperren, Ehemann und Haus kamen mir abhanden, es blieben die Kinder und die Kleinstadt. Ein beruflicher Neustart sicherte das Überleben. Als die letzte Tochter ins Studium ging, hielt mich nichts mehr in der kleinen Stadt, die für mich keine „Heimat“ geworden war, ich zog in die nahe gelegene größere Stadt am Rand des Ruhrgebiets und arbeitete dort noch weitere acht Jahre in der Firma, in der mir der berufliche Neuanfang ermöglicht worden war. Mit Beginn der Rente war ich frei, zu gehen, wohin ich wollte – mir eine „Heimat“ zu suchen.

    Bis hierhin lässt sich vielleicht schon ein roter Faden feststellen, den wir in der Familie den „Tropfen Zigeunerblut“ nennen. Meine Urgroßmutter war eine Zigeunerin und wir erklären damit gerne eine gewisse Rastlosigkeit, die Unfähigkeit, an einem Ort lange zu bleiben, die einige Familienmitglieder auszeichnet. Mein Rentenbeginn war für mich der Zeitpunkt, zu entscheiden, wo und wie ich den Rest meines Lebens verbringen wollte. Ich sehnte mich danach, einen Mangel auszugleichen, den ich Jahrzehnte lang gespürt hatte: Ich wollte noch einmal studieren. Und da es zu dieser Zeit überall in Deutschland Studiengebühren gab, die ich mir von meiner Rente nicht leisten konnte, machte ich mich im Internet kundig über die Möglichkeiten von Gasthörerstudien. In Niedersachsen gab es die für mich attraktivsten Bedingungen. Außerdem wohnen dort meine inzwischen auch wieder alleinlebenden Geschwister. Meine Wahl fiel auf Oldenburg.

    Ich war glücklich an der Universität, ich lernte so viel Neues, mir schwirrte der Kopf von all dem Wissen, ein Leben reicht nicht aus, auch nur daran zu nippen. Fühlte ich mich „zu Hause“ in Oldenburg? Nein, aber an der Uni, mit meinen Lektüreplänen, in den Seminaren, den Diskussions- und Lesekreisen. Dann wurde ich krank. Erst eine Depression und dann der Krebs. Ich bezog ein Bett im Krankenhaus und sah aus dem Fenster auf die Wallanlagen und die Türme der Stadt und fragte mich, ob diese Stadt nun meine „Heimat“ sei. Es gibt nichts Besseres, als in einer noch unvertrauten Stadt im Krankenhaus zu liegen und sich diese Frage zu stellen. Ich konnte einigen Mitpatientinnen aus dem Umland die Kirchtürme der Stadt benennen, ich erinnerte mich an die Aschermittwochswanderungen durch die Wallanlagen und ich bekam Besuch – viel mehr, als ich erwartet hatte. Oldenburg war mein „Zuhause“ geworden. Ein ganz anderes als das Rheinland: Ich vermisse den Rhein – die Hunte ist für mich kein Fluss, eher eine Art Kanal ohne wesentlichen Schiffsverkehr, ohne sichtbare Wellen und ohne Kiesel am Ufer -, ich vermisse die katholischen Traditionen des Rheinlandes wie zum Beispiel die Martinszüge oder unsere Krippenfahrten zwischen Weihnachten und Dreikönigstag, ich vermisse einige der Speisen (Riivkooche, Himmel un Ääd un Flünz, Puddingteilchen). Aber ich schätze die Fahrradfreundlichkeit von Oldenburg, ich liebe die Wochenmärkte, ich fühle mich wohl in der Lambertikirche, und ich lerne langsam die anderen Traditionen kennen, das Boßeln, die Kohlfahrten. Nicht dass Grünkohl mein Lieblingsgericht wäre oder Knipp und Pinkel, doch ich koche es hin und wieder für mich und esse es gern. In diesem Sommer habe ich – aus gesundheitlichen Gründen, aber ganz zufrieden – auf Reisen zu Familie und Freunden und ins Rheinland verzichtet, habe die meiste Zeit auf dem Balkon verbracht, viele Fahrradtouren ins Umland gemacht und festgestellt: Ich bin glücklich. In meinem reduzierten Leben, in einer Stadt, die ich erst seit kurzem kenne, in meinem kleinen Bekanntenkreis. Ich lebe innerhalb der äußeren Begrenzungen meines Lebens so, wie ich es möchte und wie es mir entspricht. Manchmal überkommen mich Erinnerungen: an Orte, an denen ich glücklich oder auch unglücklich war, an besondere Menschen, die ich liebte und die mich liebten, an Familientraditionen, an Gerüche und Mahlzeiten, an lustige oder traurige Erlebnisse. Sie sind in meinem Gedächtnis gespeichert und machen mich aus: meine Lebensgeschichte, meine Beziehungen und Erfahrungen, meine Erinnerungen an die Toten. Egal wo ich lebe.

    Für mich ist „Heimat“ kein geografischer und kein relationaler Begriff, sondern bezeichnet eine persönliche Lebensqualität. Wo ich glücklich bin, da ist meine Heimat. Ich bin vor Jahren von dort weggegangen, wo ich nicht glücklich war, obwohl ich da lange gelebt hatte, mir alles vertraut war und ich viele Menschen kannte. Heute bin ich glücklich. In Oldenburg, einer Stadt, die mir noch nicht so sehr vertraut ist und in der ich noch nicht so viele Menschen kenne. Vielleicht ist es nicht die beste Art, den schwer zu definierenden Begriff „Heimat“ mit dem ähnlich schwierigen Begriff „Glück“ zu erklären. Aber ich sehe das so: In mir verbinden sich diese beiden Begriffe, einer erläutert den anderen. Das Glück ist meine Heimat, das kleine Glück im Alltag, oft bedroht und mir nicht dauernd bewusst, das aber trotzdem mein Leben bestimmt. Endlich.

    1. Vielen Dank für diesen Kommentar, Frau Külkens. Ich bin zwar nur etwa halb so alt wie Sie, kann Sie aber in vielen Punkten absolut verstehen – auch die gewisse Rastlosigkeit.
      Und ich finde es sehr schön, hier einmal einen Beitrag einer anderen Generation zu lesen und wieder zu merken, dass wir fast alle Heimat doch recht ähnlich interpretieren und empfinden.
      Herzliche Grüße aus Düsseldorf nach Oldenburg
      Britta

    2. Danke, liebe Britta, für die freundlichen Grüße aus dem Rheinland. Und zur Rastlosigkeit: Man muss sie nicht nur negativ sehen. Auf der Suche zu sein, ist nie verkehrt. Aber wenn die Rastlosigkeit von einem abfällt, weil man angekommen ist – an einem Ort, bei Menschen, in einer Lebenshaltung, bei sich selbst – dann ist man zu Hause, mehr – in der Heimat. Manchmal braucht’s ein ganzes Leben dafür.
      Herzliche Grüße vom “Kanal” an den “Fluss” von
      Eva Külkens

    3. Liebe Eva,

      vielen Dank für diesen wundervollen Kommentar. Und sehr schade, dass Du nicht selbst bloggst. Ich bin mir sicher, Du hättest uns allen viel zu erzählen. Ich freue mich jedenfalls sehr über diesen Kommentar – und er hat mich sehr gerührt.

      Liebe Grüße nach Oldenburg. 🙂

    4. Liebe Katja,

      ein großes Dankeschön nochmal für Dich, die Du dieses Thema zur Diskussion angeregt hast. So habe ich endlich einmal meine Gedanken zusammenhängend formuliert. Aber selber bloggen – o je, dazu gehört wohl doch mehr, als in seinen Erinnerungen zu kramen. Allerdings, wenn ich bedenke, wie viel ich in meinem Leben schon mit Freude ausprobiert habe, auch wenn nicht alles gut war – wer weiß, was die Zukunft noch bringt…..

      Herzliche Grüße an Dich und all die Blogger, deren Texte ich mit Interesse und wachsender Lust gelesen habe!

      Eva Külkens

  7. Ich schreibe es gerne hier noch dazu: Wir sind ein Schweizer Grüppli in Berlin – fast alle leben hier schon Jahrzehnte, einige inzwischen mit doppelter Staatsbürgerschaft.
    Im Bezug auf die Frage von Max Frisch: Hat Heimat für Sie eine Flagge? haben wir uns in seinem Stil weitere 77 Fragen ausgedacht. Und die Reihe „aufgeFrischte Fragen“ genannt.
    http://www.schwiizli.de/kategorie/aufgefrischte-fragen/page/8/
    Man kann auch alle Fragen aufs Mal downloaden.
    Es ist 4 Jahre her aber die meisten Fragen sind zeitlos.
    Mit herzlichem Gruß
    Anita

  8. Puh! Geschafft auf der Ziellinie. Liebe Katja, das Thema ließ mir keine Ruhe. Seit sechs Wochen denke ich über Deinen Aufruf nach und verschob, verschob, verschob. Jetzt habe ich doch noch einen Beitrag zur Blogparade geschrieben, der Bezug zu meinem Blogthema hat: “Karriere und Heimat”. Ein paar Facebook-Fotos reichten eben nicht.
    Hier ist der Beitrag:
    http://systematischkaffeetrinken.de/2013/09/08/karriere-und-heimat-mobilsein-oder-bleiben/

  9. Frankreich Toulouse, meine Heimat, aber auch etwas alles aus geographie verschieden, musik zu tun, clavier und guitar. Vielen Dank Katja. Ich bin ein franzose, aber ich weiss doch wie Deutschland schön bleibt. Schüss. Brice

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