BarCamp statt Konferenz: Sessionplan beim fbcamp

Facebook und die gläserne Glocke – mein Rückblick auf das fbcamp

Endlich hat die BarCamp-Saison wieder begonnen. Für mich am letzten Wochenende in Hamburg mit der zweiten Auflage des fbcamp.

Zunächst einmal ein großer Dank an alle, die das Camp zu dem gemacht haben, was es war: die Organisatoren Silke Schippmann und Christian Rasch, die Sponsoren (allen voran MRM, Rossmann und simyo, die das Camp allesamt nicht nur finanziell, sondern auch inhaltlich unterstützt haben), das wieder fabelhafte Catering und Service von Meyers Partyservice, der attraktor und die Technischen Fachschule Heinze für die Räumlichkeiten und natürlich alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer. Danke für zwei schöne Tage!

Spannend war’s wieder, bekannte und neue Gesichter zu sehen und sich auf dem fbcamp über Facebook auszutauschen. Bei Julia habe ich etwas über die Global Pages gelernt (tolle Sache für große, internationale Unternehmen mit verschiedenen Zielmärkten). Dank Jan habe ich endlich live gesehen, wie die Graph Search funktioniert. Und auch die Session von Johannes zu Corporate Blogs vs. Facebook am Freitag und die Fortsetzung von Stefan am Samstag (hier ein kurzer Rückblick von t3n dazu) waren sehr spannend, weil sie Facebook in einen größeren Kontext gesetzt haben.

fbcamp-Session von Sascha PfeifferViel gelernt habe ich auch von Sascha, der über die 10 Regeln für Shitstorms rantete, die ich im Unternehmenskontext jedoch in weiten Teilen für sehr sinnvoll hielt. Gelernt habe ich nämlich, dass uns Social-Menschen (und ich schließe mich hier selbst mit ein) mitunter das Verständnis für Prozesse in Unternehmen und Organisationen fehlt.

Richtig gut, wenn auch weniger Facebook-bezogen, war auch Thomas Schwenkes Spontan-Session auf dem fbcamp zum Leistungsschutzrecht, das am Freitag im Bundestag verabschiedet wurde – vor allem, weil er veranschaulichte, warum das LSR für die meisten Blogger kaum anwendbar ist. Das war am Ende ja auch die Frage, die mir unter den Nägeln brannte: Was kann mir passieren, wenn ich in einem Beitrag auf Verlagsinhalte verlinke oder daraus zitiere? Mein Fazit aus der Session: In den meisten Fällen bleiben Urheber- und Zitatrecht anwendbar (also alles beim Alten), nicht das LSR.

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Der Wermutstropfen beim fbcamp

Während des fbcamps sind mir jedoch drei Dinge aufgefallen, die ich mir beim nächsten Mal anders wünschen würde:

  1. Es gab insgesamt nur 36 Sessions. Bei fünf Räumen konnte jeder also zehn Sessions sehen. Das fand ich etwas schade, gerade im Vergleich zu vielen anderen BarCamps. Und mindestens zwei zusätzliche Sessionslots hätten sehr gut in die Mittagspause gepasst, denn:
  2. So toll der attraktor ist: Wenn 150 Teilnehmer dort gleichzeitig Mittag essen, platzt er aus allen Nähten. Die Mittagspause für gemeinsames Networking anzudenken, ist zwar keine schlechte Idee, aber diese Möglichkeit tut sich eben auch zwischen den Sessions und am Abend auf. Ich glaube, ohne fixe Mittagspause wäre es im attraktor gemütlicher und die Mittagszeit entspannter gewesen. Denn essen kann man eben auch zwischen zwei Sessions oder man lässt eine Session ausfallen.
  3. Schwierig fand ich die Session von Christian Stachowitz – vor allem organisatorisch. Laut Sessionplan ging die letzte Session am Freitag bis 16 Uhr, doch da sah ich mich auf einmal im vollen attraktor mitten in einer Session, die mich eher weniger interessierte. Klar, ich hätte nach draußen oder in einen der leeren Seminarräume gehen können – und dann? Ich hätte es sinnvoller gefunden, mehrere Sessions bis 17 Uhr anzubieten, die Session von Christian in einen der anderen Räume zu verlegen und damit den attraktor weiter als Lounge nutzen zu können. Dieser Punkt wurde auch in der Abschlusssession angesprochen, aber leider nicht weiter kommentiert.

Die gläserne Glocke

Insgesamt gab es für mich beim fbcamp dieses Mal zwar wieder viel Austausch, aber wenig Neues, Innovatives oder Inspirierendes, was ich sonst bisher bei jedem BarCamp hatte. Und es hat sich vieles von dem, was mir in letzter Zeit über Facebook durch den Kopf ging, bestätigt: Als Social-Media- und Community-Manager sind wir dem Netzwerk ausgeliefert. Vielleicht fühlt es sich auch deshalb für manchen so an, als ob Facebook durchgespielt wäre?

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Mir kam dabei der Gedanke an die viel beschworene gläserne Glocke: Wir schauen zu Facebook, aber auch zu unseren Fans und Communities, doch sind wir Facebook in weiten Teilen ausgeliefert und müssen ihm glauben, was Reichweiten und Interaktionsraten betrifft (und das selbst wenn wir dafür bezahlen). Wenn Facebook dabei einen Fehler macht, können wir nichts tun. Wenn Facebook Richtlinien ändert, können wir nichts tun. Wenn Facebook ein neues Design einführt oder den EdgeRank ändert, können wir nichts tun. Sondern allerhöchstens dafür bezahlen, dass es trotz aller Änderungen bleibt, wie es war.

Wir haben zwar das Gefühl, dass da noch viel geht bei Facebook. Wir können manche Änderungen sogar sehen. Doch immer ist da diese Glocke, die uns umschließt und jeden Einfluss verwehrt. Mich hat das in den letzten Monaten immer öfter geärgert – aber Facebook ist tatsächlich nicht das Internet. Es ist ja nicht einmal das Social Web. Und deshalb freue ich mich wieder auf mein nächstes BarCamp und auf weitere Themencamps über Plattformen und Netzwerke, die mir als Nutzer mehr Flexibilität erlauben.

Zu guter letzt möchte ich aber wirklich noch einmal betonen: Das fbcamp war toll. Ich habe viel gelernt. Und der weite Weg nach Hamburg hat sich gelohnt. Nur Facebook und ich, wir sind offensichtlich nicht mehr die besten Freunde. 😉

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